Über die Autorin

Anna Lochte

ist eine Schülerin der zwölften Klasse. Schon seit der Grundschule denkt sie sich Geschichten aus und schreibt sie nieder. Ihre Hobbies, neben dem Schreiben, sind: Klettern, Klavierspielen und Puzzeln.

Lesedauer: ca. 11 min

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Kind zu verkaufen

Lukas wachte auf, als jemand seine Tür schloss. Schutzsuchend verkroch er sich unter seiner Decke und wartete. Er harrte so einige lange Minuten aus und lauschte angespannt auf jedes noch so kleine Geräusch. Als nichts weiter geschah, schaute er auf seinen Wecker. Halb zwölf. Lukas stand auf und schlich auf Zehenspitzen aus seinem Zimmer. Er wollte sicherstellen, dass sich niemand außer ihm und seinen Eltern in der Wohnung befand.

Auf dem Weg in die Küche hörte er Stimmen, die aus dem Schlafzimmer seiner Eltern kamen. Lukas ging näher an die verschlossene Tür, um die Worte seiner Eltern deutlicher verstehen zu können. „Ich weiß, wie viel er dir bedeutet, aber wir haben keine andere Wahl“, sagte seine Mutter gerade. Lukas’ Vater seufzte. „Ich weiß, ich weiß. Wir müssen ihn verkaufen.“ Lukas machte einen Schritt nach hinten. Hatte er sich verhört? Seine Eltern wollten ihn verkaufen? „Wenn wir auf etwas verzichten können, dann doch am ehesten …“ Lukas hatte genug gehört. Kein Zweifel: Seine Eltern wollten ihn verkaufen. Leise ging er zurück in sein Zimmer. Er machte sich Vorwürfe. Hätte er doch nicht die Shampooflasche mit Mayonnaise und Spülmittel gefüllt. Hätte er doch nicht fremde Fahrräder mit einem weiteren Schloss angeschlossen. Hätte er doch nicht unter die Klinke des Bads Zahnpasta geschmiert. Hätte er doch für die Schule gearbeitet und bessere Noten nach Hause gebracht.

Aus dem anfänglichen Schock und den zwischenzeitlichen Vorwürfen war Entschlossenheit geworden. Die Entschlossenheit, seine Eltern umzustimmen. Lukas knipste das Licht an, setzte sich an seinen Schreibtisch und entwarf eine Liste mit Dingen, die er besser machen wollte.
Ungewohnt früh schrillte sein Wecker. Er sprang aus dem Bett, zog sich an und plünderte sein Sparschwein. Seine Eltern schliefen noch. Gut so, dachte Lukas, als er die Wohnungstür hinter sich ins Schloss zog. Er stieg die Treppen hinunter. Als er die Haustür des Mehrfamilienhauses öffnete, schlug ihm kalte Novemberluft entgegen, und er überlegte kurz, ob er wirklich Brötchen holen sollte. Aber sein Entschluss war gefasst: Er würde sich ändern und seinen Eltern beweisen, dass er unverkäuflich war. Auf dem Weg zum Bäcker begegnete Lukas seinem Klassenkameraden Paul, der, anders als Lukas, kaum Freunde hatte. „Was machst du hier so früh?“, fragte Paul ihn. „Brötchen holen.“ Paul sah ihn zweifelnd an. „Du?“ Lukas ging an Paul vorbei, wobei dieser ihn anrempelte. Dieser Blödmann. Lukas kaufte drei Schrippen, ein Körnerbrötchen und Donuts, dann ging er nach Hause und bereitete das Frühstück vor. Da seine Eltern nicht viel Geld verdienten, hatten sie nur die nötigsten Lebensmittel. Aber Kaffee musste trotz der finanziellen Lage sein.

Ansonsten, das behauptete zumindest Lukas’ Mutter, käme sie nicht in die Gänge. Lukas schnitt die Brötchen schön mittig auf, stellte diese und Teller, Butter, Marmelade, Aufschnitt sowie den Kaffee auf den Tisch. Er schaute auf die Uhr. Kurz nach acht. Seine Eltern sollten jede Minute kommen.
Und das taten sie auch. Die Augen seiner Mutter leuchteten auf, als sie den gedeckten Tisch sah. Sein Vater fragte scherzhaft: „Welche Note hast du mit nach Hause gebracht?“ – „Ich wollte euch einfach mal überraschen.“ – „Das ist dir gelungen.“ Seine Mutter umarmte ihn. Die drei setzten sich hin. Lukas wunderte sich über seine Eltern. Sie ließen sich nichts anmerken. Wenn er sie gestern nicht gehört hätte, wäre er nie im Leben darauf gekommen, dass sie so etwas so leicht vor ihm geheim halten konnten. Nach dem Essen ging Lukas in sein Zimmer und begann es aufzuräumen. Die Hausaufgaben wollte er später erledigen. Seine Mutter rief ihn. „Lukas, willst du mit uns einen Ausflug machen?“ Beinahe hätte Lukas ihr ein „Nein, ich bin doch nicht bescheuert!“ entgegengeschmettert. Stattdessen sagte er: „Ich hab nicht viel Zeit, weil ich noch Hausaufgaben machen muss. Aber eine Stunde ist okay für mich.“ Seine Mutter schien überrascht und erfreut zugleich. Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Dann gib Bescheid, wenn du fertig bist.“

Lukas nahm sich für das Aufräumen extra viel Zeit, um die Hausaufgaben so lange wie möglich vor sich herschieben zu können. Aber irgendwann war alles aufgeräumt. Er hatte sogar unter dem Bett gewischt. Sein Vater rettete ihn vor seinen Hausaufgaben. Er hatte Bolognese gekocht. Die Nudeln mit Fleischsoße gab es viel zu häufig für Lukas’ Geschmack. Er würde sich mehr über ein Curry oder eine Lasagne freuen. „Wie lange brauchst du noch?“, wollte seine Mutter wissen. „Vielleicht eine Stunde oder so.“ Lukas brauchte nicht einmal eine halbe Stunde, bis er mit Mathe und Deutsch fertig war. Er fragte sich, warum er noch nie zuvor Hausaufgaben gemacht hatte.
Sie fuhren in einen Wald. Lukas war hier erst ein paarmal gewesen, und daran konnte er sich nicht mehr erinnern. „Wollen wir Verstecken spielen?“, fragte sein Vater. Er versuchte sichtlich, den Waldspazier-gang für Lukas zu einem schönen Erlebnis werden zu lassen. Lukas fragte sich, warum er sich solche Mühe gab. Ihm machte das Spielen viel Spaß, und er vergaß seine Sorgen. Seine Eltern hatten schon recht, wenn sie sagten, dass er nicht so viel Zeit mit seinem Handy, sondern mehr draußen was machen sollte. Es wurde dunkler und dunkler und damit für Lukas auch immer schwieriger, seine Eltern zu finden. Ihre Silhouetten hoben sich nur schwach von den Bäumen ab. „Ich glaube, es wird Zeit, dass wir nach Hause gehen“, sagte sein Vater schließlich. Die Straßenlaternen versprühten schon ihr warmes Licht, als sie am Auto ankamen.

Lukas ging früh ins Bett. Der Spaziergang hatte ihn müde werden lassen. Er dämmerte langsam weg. Und seine Fantasie gewann die Oberhand über den Verstand.
Er ist auf einem Boot. Sein Kopf lehnt an der Schulter einer Frau, und er wird von einem Mann umarmt. Die Gesichter der Personen kann er nicht erkennen, aber er fühlt sich geborgen in ihrer Nähe, obwohl sie auf der Flucht sind. Wovon und wohin steht in den Sternen. Aber leider scheint die Sonne. Viel zu heiß und viel zu grell. So heiß, dass das Wasser fast siedet, und so grell, dass Lukas vor Schmerz die Augen zukneifen muss. Endlich! Ein Streifen Land kommt in Sicht. Lukas steht hoffnungsvoll auf. Dabei gerät das Boot ins Wanken. Er versucht, sein Gleichgewicht zurückzugewinnen. Schafft es nicht. Fällt. Ruft. Fällt. Streckt die Hand nach den Personen aus. Er kann ihre Gesichter nun erkennen. Es sind seine Eltern. Überraschung huscht über sein Gesicht, während er wie in Zeitlupe weiter fällt. Sie können ihn retten. Müssten nur seine Hand ergreifen. Aber sie tun es nicht; sehen ihrem Kind beim Fallen zu. Keine Regung in ihren Gesichtern. Schlichte Gleichgültigkeit. Er schaut sie ein letztes Mal flehend an. Dann erlischt die Hoffnung in seinen Augen; sie weicht Resignation. Die kalte Dunkelheit umhüllt ihn, und er verschwindet.

Lukas wachte mit klopfendem Herzen auf. Die Erinnerung an den Traum klar vor Augen, stand er auf und ging in die Küche, um etwas zu trinken. Das kühle Leitungswasser spülte die detaillierte Erinnerung fort. Zurück blieben Bruchstücke. Lukas stellte das halb leere Glas in die Spüle. Dann ging er zurück ins Bett. Aber einschlafen konnte er nicht mehr.
Am Montagmorgen kam Lukas’ Mutter in sein Zimmer und schüttelte ihn leicht. Lukas tat so, als würde er aufwachen. Er zog sich an und ging zum Frühstücken in die Küche. „Gut geschlafen?“ – „Ja“, log Lukas. „Ich kann dich leider nicht zur Schule fahren.“ – „Kein Problem, dann nehme ich das Rad.“ – „Super“, seine Mutter schien erleichtert und warf ihrem Mann einen Blick zu, den Lukas nicht deuten konnte. Nachdem er zwei Toasts mit Marmelade gegessen hatte, packte er seine Sachen, verabschiedete sich und verließ das Haus.
Lukas schloss sein Rad am Schulzaun an. „Hey Lukas.“ – „Hallo Max.“ Die Freunde klatschten sich ab. „Tobias hatte eine geniale Idee. Wir demolieren den Lehrerstuhl!“ Lukas schaute ihn fragend an. „Wir lösen ein paar Schräubchen, sodass die Sitzfläche nach unten fällt, wenn Gewicht darauf kommt.“ Lukas lachte. „Bist du dabei?“ – „Nee“, Lukas winkte ab, „diesmal nicht.“ Max schien enttäuscht, aber Lukas wollte keinen Ärger mehr verursachen.

Vor dem Raum lehnte Paul an der Wand. „Loser“, sagte Max und schubste ihn aus dem Weg. Lukas blieb stehen. „Alles in Ordnung?“ Paul sah ihn verwundert an. „Geht schon, danke.“
Tobias hatte bereits angefangen, an dem Stuhl herumzuschrauben, als Lukas und Paul in die Klasse kamen. Eine Traube hatte sich um Tobias gebildet. Die anderen feuerten ihn an. „Lukas, komm her und hilf mir mal.“ Aber Lukas setzte sich hin und holte das Mathebuch aus seinem Schulranzen. Tobias sah auf. „Hast du mich nicht gehört?“ – „Doch“, sagte Lukas ruhig. Die anderen sahen die beiden gespannt an. Es kam selten vor, dass sich die beiden Freunde nicht unterstützten. „Toby, das ist doch total bescheuert. Du wirst wieder Ärger kriegen.“ – „Glaube ich nicht.“ Er grinste Lukas vielsagend an. Dann stand er auf und setzte sich auf seinen Stuhl neben Lukas. Die anderen setzten sich ebenfalls auf ihre Stühle, als Herr Maier das Zimmer betrat. Herr Maier bemerkte an der gespannten Stille, dass irgendetwas nicht stimmte und sah direkt zu Tobias, Lukas und Max. Er stellte seine Aktentasche auf den Tisch und nahm das Mathebuch, seine Federtasche und ein Heft heraus. Ordentlich legte er die Sachen auf seinen Tisch. Dann wollte er sich hinsetzen. Toby hatte ganze Arbeit geleistet, und die Sitzfläche gab nach unten nach. Die Klasse grölte, als der Lehrer hinter dem Tisch verschwand. Herr Maier stand mit rotem Kopf verärgert wieder auf. „Wer war das?“ Niemand antwortete. „Ich kann es mir schon denken. Aber um ganz sicher zu sein, schreibt jeder anonym einen Zettel, mit dem Namen, der das getan hat.“ Schweigend holte jeder seinen Block aus der Schultasche, riss ein Stückchen Papier heraus und gab es dem Lehrer. Nur auf einem Zettel stand ein Name. Und das war „Lukas“.

Lukas sah sich um. Die meisten anderen schienen genauso überrascht zu sein wie er. Toby grinste ihn an, und Lukas wusste, dass er es gewesen war. „Können wir zwei uns eben draußen unterhalten?“ Der Lehrer stand auf und ging zur Tür. „Ich hab’s dir gesagt“, raunte Toby Lukas zu. Lukas ging nicht darauf ein. Am liebsten wäre Lukas davongerannt, aber er tat es nicht. Ließ die tadelnden Worte seines Lehrers über sich ergehen, ohne etwas zu erwidern. „Ich werde deine Eltern gleich informieren“, sagte Herr Maier.
Was für einen Grund hatten seine Eltern nun noch, ihn zu behalten? Sie könnten das Geld sicher besser brauchen als ihn. Schließlich hob Lukas den Kopf. „Ich war es nicht.“ Natürlich glaubte ihm der Lehrer nicht. Lukas versuchte nicht, ihn von seiner Unschuld zu überzeugen. Herr Maier hätte ihm sowieso nicht geglaubt.

Nicht einmal die Tatsache, dass die letzten beiden Stunden ausfielen, konnte Lukas aufheitern. Was würden seine Eltern bloß denken? Es nützte alles nichts, seine Eltern würden ihren Entschluss jetzt garantiert nicht mehr ändern. Lukas fuhr nicht nach Hause, sondern in der Gegend herum. Ohne Richtung und ohne Ziel. Er fragte sich, warum Tobias das getan hatte. Fand keine Antwort und fuhr dann doch nach Hause. Seine Mutter war noch nicht da. Also holte Lukas den Staubsauger aus der Besenkammer. Er wischte, brachte den Müll nach unten und räumte die Teller vom Frühstück in die Spülmaschine. Als alles getan war, ging er ins Wohnzimmer, um sich mit Fernsehen die Zeit zu vertreiben.

Es kam einfach nichts Interessantes um diese Uhrzeit. Nur langweilige Kochsendungen. Da kam Lukas ein glorreicher Gedanke. Er suchte nach einem Rezept im Internet, stand auf, schloss die Haustür hinter sich und ging nach draußen. Der nächste Supermarkt war nur wenige Gehminuten entfernt. Lukas kaufte Gemüse, Reis und Kurkuma. Die anderen Gewürze hatte er zu Hause gefunden. Auf die Hähnchenbrust hatte er wegen des Preises bewusst verzichtet.

Zu Hause angekommen, fing er an zu kochen. Er hatte seinem Vater ab und zu bei der Zubereitung von Spaghetti Bolognese geholfen, aber das war das erste Mal, dass er alleine kochte. Alles lief etwas chaotisch ab. Erst weinte er wegen der Zwiebeln. Dann schnitt er sich leicht in den linken Zeigefinger. Die Paprika fiel hinunter, von der Arbeitsplatte auf den Fußboden. Den Reis erhitzte er viel zu früh. Das Gemüse verbrannte fast. Aber mit dem Endprodukt war er mehr als zufrieden. Er spülte, überlegte dann, ob er auf seine Mutter warten sollte, aber sein knurrender Magen nahm ihm die Entscheidung ab.

Seine Mutter kam verärgert um kurz nach drei in die Wohnung gestürmt. „Stimmt das? Du hast mal wieder Mist gebaut? Du hast dem Lehrer einen Streich gespielt? Wie häufig haben wir dir gesagt, dass du damit aufhören sollst!“ – „Ich war es nicht.“ – „Ist klar.“ Sie verschränkte die Arme. „Nein, ich war es wirklich nicht. Es war Toby.“ Seine Mutter sah ihn zweifelnd an, ihre Gesichtszüge wurden weicher, dann nickte sie. „Okay, ich mach uns dann mal was zu Essen. Pizza ist okay für dich?“ Lukas lief vor seiner Mutter in die Küche. Er wollte sich ihren Gesichtsausdruck nicht entgehen lassen. Als seine Mutter ihn verblüfft ansah, musste er lachen. „Du hast das gemacht?“ – „Ja.“ Stolz nickte Lukas. „Sieht gut aus.“ Sie kam einen Schritt näher und roch genüsslich an dem Essen. „Danke schön.“ Sie umarmte ihn, und es schien, als sei der perfekte Moment gekommen, sie zu fragen, ob sie ihn immer noch verkaufen wollte. Aber dann sagte seine Mutter: „Wir unterhalten uns trotzdem später noch einmal über den Vorfall.“ Sie machte sich das Essen warm, und auch Lukas aß noch eine Portion. „Ich muss schon sagen“, sagte seine Mutter mit vollem Mund, „das ist dir gut gelungen.“ Lukas lächelte zufrieden.

Nach dem Essen zog sich Lukas in sein Zimmer zurück. Aber er hatte nichts Richtiges zu tun, schließlich hatte er keine Hausaufgaben aufbekommen, und auch sein Zimmer funkelte blitzblank. Er spielte mit seinem Handy, bis die Klingel schrillte. Lukas hasste den Klingelton. Hätten sich seine Eltern nicht für etwas Melodisches entscheiden können? Normalerweise machte er die Tür auf, aber dieses Mal öffnete seine Mutter. Lukas hörte gedämpfte Stimmen. Es schien, als wäre sein Vater wütend. Aber seine Mutter redete beschwichtigend auf ihn ein. Lukas lauschte, versuchte Worte zu verstehen. Aber die Distanz war zu groß, die Stimmen zu leise und die Tür zu dick. Schließlich hörte Lukas Schritte näherkommen. Dann klopfte sein Vater. Er kam ins Zimmer und setzte sich neben Lukas aufs Bett. Er war erstaunlich ruhig. „Kannst du mir die Geschichte auch einmal erzählen?“ Lukas schilderte ihm die Geschehnisse so genau wie möglich. Sein Vater nickte, nachdem er geendet hatte. „Wir werden mit deinem Lehrer sprechen.“

Lukas fuhr mit seinem Rad zur Schule, suchte sich aber anders als sonst einen neuen Sitzplatz. Neben Toby wollte er nicht sitzen. Auch sonst setzte sich niemand neben Tobias. Frau Lorenz bemerkte das zwar, sagte aber nichts dazu. Lukas verbrachte die Pause mit Max. Sie spielten mit ein paar Älteren Fußball. Nachdem die Glocke geläutet hatte, rannten die beiden nach drinnen. Max war schneller und wartete nicht auf Lukas. Lukas rannte versehentlich gegen Paul, der die Bücher und Hefte, die er gehalten hatte, fallen ließ. Lukas blieb stehen. „Tut mir leid.“ – „Kein Problem.“ Lukas half Paul, die Sachen einzusammeln. „Ich war wahrscheinlich etwas schneller, als die Polizei erlaubt.“ Paul lachte. „Ich passe nächstes Mal besser auf. Hab keine Lust, von dir noch mal über den Haufen gerannt zu werden.“ Lukas lachte. Er legte den Weg zum Klassenzimmer mit Paul zurück. „Warst du schon Mal auf der Halfpipe im Park?“ – „Nee.“ – „Max und ich gehen da später hin. Willst du mitkommen?“ – „Gerne.“ Paul blieb stehen. „Ich muss noch was erledigen.“ Er ging in eine andere Richtung davon.
Nach der Schule fing Herr Maier Lukas ab. „Paul hat mir alles erzählt.“ Lukas war verwirrt. „Tut mir leid, dass ich dich verdächtigt habe.“ Der Groschen fiel. „Ach so, das ist schon okay.“
Lukas raste nach Hause, um seiner Mutter die guten Nachrichten zu überbringen. Er trank etwas, bevor er ihr alles erzählte. Sie rubbelte ihm durch das Haar. Er sah sie an. Jetzt war der Moment gekommen, sie zu bitten, ihn nicht zu verkaufen. „Mama, ich habe euch am Samstagabend gehört. Als ihr gesagt habt, dass ihr ihn verkaufen wollt.“ – „Ach, dann weißt du es ja schon. Tut mir leid, dass wir das Auto verkaufen müssen.“ Was?! Hatte er das richtig verstanden? Es ging die ganze Zeit um das Auto? Seine Eltern hatten nie überlegt, ihn zu verkaufen! Seine Mutter sah ihn prüfend an. „Was hast du gedacht?“ – „Nichts“, er lächelte, „das ist okay für mich.“ – „Gut.“ Sie schien erleichtert. Lukas stellte das halb volle Glas in die Spüle. „Ich muss.“ Er gab seiner Mutter einen Kuss, dann fuhr er los.